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Autismus ist angeboren und beeinflusst die Informationsverarbeitung, das Gefühlserleben und das Denken eines Menschen.

Die Weltgesundheitsorganisation fasst die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Autismus unter dem Begriff „tiefgreifende Entwicklungsstörungen“ zusammen. Zunehmend wird jedoch der Begriff Störung vermieden und durch den Ansatz der Neurodiversität ersetzt. Damit soll Autismus weniger als Krankheit angesehen werden, sondern als eine lebenslange Form des Andersseins. Folgende Kriterien müssen für einen Autismus-Befund erfüllt sein:

  • (Qualitative) Beeinträchtigung der sozialen Interaktion
  • (Qualitative) Beeinträchtigung der Kommunikation
  • Begrenzte, repetitive oder stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten

Das Autismus-Spektrum

Da Autismus sehr unterschiedlich in Erscheinung treten kann, spricht man von einem Autismus-Spektrum. Autistische Menschen unterscheiden sich hinsichtlich der Ausprägung der Symptome stark voneinander. Diese Unterschiedlichkeit in Verbindung mit individuellen Charakteren und oft besonderen Lebensgeschichten macht die Einzigartigkeit der autistischen Mitarbeiter bei auticon aus.

Das Autismus-Spektrum umfasst drei grundlegende Diagnosen, deren Grenzen fließend ineinander übergehen.

Hans Asperger (Arzt und Namensgeber des Asperger-Syndroms, 1906-1980) hat die „autistische Persönlichkeitsstörung“ als einen Teil des natürlichen Kontinuums menschlicher Fähigkeiten gesehen, mit fließenden Grenzen zur Normalität. Aufgrund hoher kognitiver Fähigkeiten können vorhandene „Handicaps“ lange bis zu einem gewissen Grad kompensiert werden. Daher kommt es bei Asperger-Autisten häufig erst im Erwachsenen-Alter zu einer Diagnose oder einem fachpsychiatrischem Befund, was rückwirkend eine Erklärung für manche unverständliche Verhaltensweisen bietet.

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Autistische Mitarbeiter können eine Bereicherung für Unternehmen sein.

Die Stärken von Autisten sind sehr individuell, umfassen aber häufig…

  • ein ausgeprägtes logisches Denkvermögen
  • eine hohe Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer auch bei Routineaufgaben
  • ein hohes Maß an Loyalität und Zuverlässigkeit
  • ein extrem gutes Auge für Details, Anomalien und mögliche Fehler
  • außergewöhnlich gründliche Soll/Ist-Abgleiche und ein hohes Bewusstsein für Qualität
  • eine starke Orientierung an Sachthemen, umfassendes Fachwissen

 

Asperger-Autisten nehmen Dinge anders wahr als Nicht-Autisten und zeichnen sich darüber hinaus oft durch besondere „Spezialinteressen“ aus.

 

Der andere Blick
Auffällig ist, dass Asperger-Autisten meist einen anderen Blick auf Dinge haben. Nicht-Autisten erfassen und verstehen ein Programm zunächst in seiner Gesamtheit und registrieren oft erst im Anschluss daran die einzelnen untergeordneten Module. Die meisten Autisten hingegen nehmen die zugrunde liegende Struktur zunächst anhand von Detail-Informationen wahr und integrieren diese nach und nach in ein übergeordnetes Konzept.
Diese unterschiedliche Perspektive auf ein- und dasselbe Konzept birgt in der gemeinsamen Arbeit einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn.

Mustererkennung
Viele Asperger-Autisten erkennen Muster in Strukturen und Datenbeständen außergewöhnlich
schnell und zuverlässig. Abweichungen fallen sehr schnell auf. Dies macht sie zu geeigneten Mitarbeitern bei der Analyse und Auswertung großer Datenmengen, aber auch bei der Fehlersuche oder dem Regelabgleich.

Spezialinteresse
Typisch für viele Asperger-Autisten ist ein besonderes Spezialinteresse, in dem sie sich ein umfangreiches Expertenwissen aneignen. Hierzu zählen vor allem logisch-systematisch aufgebaute Themen wie z.B. Mathematik, Physik, Sprachen, Musik, Technik, Informatik und Statistik, obwohl einige Menschen im Autismus-Spektrum durchaus auch in kreativen oder geisteswissenschaftlichen Bereichen herausragende Talente haben.

Ein besonderes Qualitätsbewusstsein
Viele Asperger-Autisten suchen keine Fehler – sie sehen Sie einfach! Bei manchen Menschen im Autismus-Spektrum geht dies so weit, dass Fehler ein physisches Unwohlsein hervorrufen.
Diese besondere kognitive Eigenschaft wie auch das Bewusstsein für Qualität und die hohe Konzentration selbst bei repetitiven Aufgaben sind äußerst wertvoll im Bereich Software Testing, Qualitätssicherung oder Compliance.

Schwierigkeiten von Menschen im Autismus-Spektrum

Neben den besonderen Stärken stellen die gesellschaftlichen Anforderungen an Kommunikation und Interaktion im beruflichen Alltag oft eine besondere Herausforderung für Menschen im Autismus-Spektrum dar.
Small Talk, eine manchmal hohe Reizempfindlichkeit, ein oft geringes Verständnis für nonverbale Signale (Mimik, Gestik), Ironie und Redewendungen erzeugen im Alltag oft kontinuierlich Stress. Hinzu kommt, dass viele Autisten Regeln als absolut verstehen, und es ihnen schwer fällt, „Fünfe gerade sein zu lassen“. Dies macht sie zu höchst gewissenhaften Mitarbeitern, kann aber vor allem in sozialen Bereichen Verwirrung stiften. Gerade wenn die Autismus-Diagnose eines Mitarbeiters nicht im Team und bei den Vorgesetzten bekannt ist, kann dies zu Missverständnissen und anhaltenden sozialen Problemen im Arbeitsalltag führen. Die geringe Beschäftigtenquote von nur 10-15% Asperger-Autisten auf dem ersten Arbeitsmarkt spiegelt diese Autismus-spezifischen Schwierigkeiten wider.

Job Coaches: auticon stellt die Stärken von Asperger-Autisten in den Vordergrund

Um unseren Mitarbeitern im Autismus-Spektrum ein Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie ihr Potential entfalten können, stellen wir ihnen Job Coaches zur Seite.
auticon Job Coaches gestalten im Vorfeld den Bewerbungs- und Einstellungsprozess, unterstützen Consultants in kommunikativen und organisatorischen Aspekten und tragen zu einem reibungslosen Projektablauf bei. Sie dienen als Bindeglied zwischen Kunden und autistischen Mitarbeitern und beraten beide Seiten bei auftretenden Schwierigkeiten. Dabei gilt der Grundsatz: „So wenig Unterstützung wie möglich, so viel wie nötig“. Dies geschieht überwiegend im Hintergrund und nicht beim Kunden vor Ort.
Job Coaches übernehmen zum Beispiel:

  • das Briefing des Kunden und die Beratung zur Arbeitsplatzgestaltung
  • die Vorbereitung der auticon Mitarbeiter auf allgemeine soziale Anforderungen im Berufsalltag und die
    besonderen Anforderungen beim jeweiligen Kunden
  • die individuelle, am Bedarf orientierte Unterstützung der Consultants
  • Feedback-Gespräche mit Kunden und Consultants

Job Coaching bei auticon: Schwierigkeiten im Job reduzieren sich beträchtlich

Eine aktuelle Studie der FU Berlin zeigt, dass auticon-Consultants im Vergleich zu anderen berufstätigen Autisten, beträchtlich weniger soziale Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben. So wurde Mobbing am Arbeitsplatz nie als Problem genannt, wohingegen es bei der Kontrollgruppe ein schwerwiegendes Problem darstellte. Bei auticon gab es zudem weniger Probleme in der Kommunikation, dem Bewerbungsprozess und beim Support am Arbeitsplatz.

Hier können Sie die Studie nachlesen.