Wir arbeiten außerordentlich ordentlich.

Erfolgsgeschichte HOYER Group

Gelebte Inklusion bei der Testautomatisierung für ein ERP System

 

Unser Kunde

Vom Hamburger Familienunternehmen zum Weltmarktführer: HOYER gehört zu den global erfolgreichsten Anbietern von umfassenden Logistiklösungen für die Chemie-, Mineralöl-, Gas- und Lebensmittelindustrie. 1946 wurde das Unternehmen als „Bruno Hoyer Internationale Fachspedition“ in Hamburg gegründet, wo sich noch heute die Hauptzentrale befindet. Darüber hinaus hat HOYER weltweite Repräsentanzen, unter anderem in Houston, Rotterdam, Shanghai und São Paulo. Die Kernkompetenzen des Unternehmens sind das Handling und der Transport von Flüssiggütern auf Straße, Schiene und See. Den Kern des Unternehmens hat die Erweiterung zur HOYER Group nicht verändert: Die Erkenntnis, dass die weltweit mehr als 6.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schlüssel des Erfolgs sind. Diversität, Offenheit und Toleranz spielen dabei seit jeher eine große Rolle – ganz nach dem Unternehmens-Motto: Nicht nur das Mitdenken zählt, sondern vor allem das Vorausdenken.

Die Ausgangsposition

In der IT arbeitet HOYER viel mit Eigenentwicklungen, so auch bei seinem ERP-System: „Der Markt bietet eine Vielzahl Lösungen, tatsächlich war aber kein System dabei, das unsere Anforderungen als Logistikunternehmen rund um das Handling und den Transport von Flüssiggütern aus der Lebensmittel-, Gas-, Mineralöl- und chemischen Industrie erfüllte“, erzählt Stefan Pchalek, Senior Manager IT Billing Rental Fleet im Bereich der IT Business Process Solutions. So entstand das ERP-System HOYERVista, das genau die relevanten Geschäftsbereiche unterstützt und vom Team selbst weiterentwickelt und aktuell gehalten werden kann. Hochverfügbarkeit und Fehlerfreiheit von HOYERVista spielen eine große Rolle: 800 Mitarbeiter arbeiten damit, und fällt das ERP System aus, steht der Betrieb komplett still. Aus diesem Grund wurden regelmäßige Regressionstests durchgeführt – ein manueller Aufwand, der allerdings mit steigender Komplexität der Business-Anwendung immer größer wurde. Das Automatisieren der Tests würde Abhilfe schaffen, Ressourcen befreien und das Risiko von Ausfällen minimieren, aber dazu fehlten im Team der IT Business Process Solutions Mitarbeiter mit entsprechender Erfahrung. Die HOYER-IT stand nun vor der Entscheidung, unter großem Aufwand eigenes Know-how aufzubauen oder einen Dienstleister zu beauftragen.

Die Geschäftsführung von HOYER kannte aus einem früheren Projekt den IT-Dienstleister auticon und empfahl dem Business Process Solutions-Team die Zusammenarbeit. Pchalek fand die Idee interessant, informierte sich zunächst über das Thema Autismus und besprach sich dann mit seinem Team. „Natürlich war da der ‚Rain Man‘ aus dem Film in den Köpfen, aber wir sind grundsätzlich aufgeschlossen, und Diversität ist ein Unternehmensgrundsatz bei HOYER. Die Kolleginnen und Kollegen waren durch eigene Recherchen zum Thema und die Beschreibungen auf der auticon Website neugierig geworden und waren gespannt auf die Zusammenarbeit in dem Projekt,“ erzählt er.

Ziele

Nach einem positiven Vorgespräch wurde ein Kennenlerntermin aufgesetzt, unter anderem mit den für das Projekt vorgesehenen zwei IT-Spezialisten von auticon sowie dem zuständigen Job Coach. Ziel war es, sich noch weiter über das Inklusionsmodell von auticon zu informieren und die autistischen „Kollegen auf Zeit“ persönlich kennenzulernen. „Der offene Umgang mit dem Thema Autismus und ihre in diesem Gespräch schon erkennbare Liebe zum Detail haben uns direkt überzeugt,“ erinnert sich Stefan Pchalek. Und so wurde im Februar 2019 die Zusammenarbeit gestartet. Definierte Ziele waren:

  • Zeitlich begrenzter Einsatz eines Dienstleisters statt Aufbau einer eigenen Abteilung für Testing
  • Automatisieren bisher manueller Tests des geschäftskritischen ERP Systems HOYERVista
  • Erhöhung der Ausfallsicherheit bei gleichzeitiger Zeitersparnis
  • Dokumentation und Wissenstransfer an das HOYER Team

 

Der Projektverlauf

Anfangs arbeiteten die auticon Spezialisten viel vor Ort bei HOYER in Hamburg. Um sie zu unterstützen und ihnen die nötige Ruhe zu bieten, wurde ihnen ein kleines, separates Büro in räumlicher Nähe zum Projektteam eingerichtet.

„Wir haben in zweieinhalb Tagen den Einarbeitungsstoff geschafft, der eigentlich für vier Tage ausgelegt war. Dabei gab es gute, zielführende Diskussionen. Die proaktive Herangehensweise der auticon Spezialisten hat mich immer wieder positiv überrascht,“ erinnert sich Stefan Pchalek.

Auf die Bedürfnisse der Autisten ging HOYER flexibel ein und ermöglichte auch damals schon das Arbeiten vom Home Office aus. Stefan Pchalek fungierte von Anfang an als fester Ansprechpartner und wurde durch regelmäßige Absprachen dem Anspruch gerecht, dass sie klare Anweisungen und Struktur brauchten. Anfangs wurden Erfolge und nächste Schritte in täglichen Besprechungen diskutiert, schnell wurde aber ein wöchentlicher Turnus daraus. Zum Rest des Teams gab es wenig Kontakt, da dies das Projekt auch nicht verlangte. Pchalek hat bei Bedarf zwischen den Entwicklern bei HOYER und den auticon-Mitarbeitern vermittelt.

„Wie HOYER uns in diesem Punkt unterstützt hat, war wirklich vorbildlich“, sagt Wolfgang Renner, Projektmanager bei auticon. „Für viele Autisten ist eine Konstanz in den Teamstrukturen und Abläufen sehr wichtig, und dass sie über die Dauer eines mehrjährigen Projektes ein und dieselbe Bezugsperson hatten, grenzt schon fast an Luxus.“

Ergebnis

Das Eingehen auf die Bedürfnisse der Autisten hat sich direkt ausgezahlt und den Einarbeitungsprozess unerwartet verkürzt, da die auticon Mitarbeiter ihr volles Potenzial entfalten konnten. Auch im weiteren Verlauf des Projekts überzeugten die Autisten, unter anderem durch ihren hohen Qualitätsanspruch und ihre Beharrlichkeit, Fehler zu beheben und Probleme zu lösen: Mehrmals wurden zum Beispiel kreative Workarounds entwickelt, weil die Testsoftware an ihre Grenzen kam. So konnte die Entwicklung und Implementierung der automatisierten Tests bis Juni 2020 erfolgreich abgeschlossen werden.

Nach einer Projektpause und verschiedenen Wechseln im Team haben autistische IT-Spezialisten von auticon die Mitarbeiter bei HOYER ab März 2021 intensiv in die Testfälle und die Wartung der automatisierten Tests eingearbeitet und das Projekt bis Frühjahr 2022 weiter begleitet. Ihr umfangreiches Know-how und ihre Persönlichkeiten haben bleibende Eindrücke und Spuren hinterlassen – und die positive Erfahrung, dass Inklusion funktioniert.

Der Kundennutzen

  • Sehr ausgereifte automatisierte Tests von HOYERVista
  • Mehr Stabilität und Ausfallsicherheit des kritischen ERP Systems
  • Freie Ressourcen im Team und gut geschulte Mitarbeiter
  • Aktiv und erfolgreich erlebte Zusammenarbeit in einem neurodiversen Team

Stefan Pchalek, Hoyer Group

„Die bei uns eingesetzten auticon-Mitarbeiter hatten ganz unterschiedliche Stärken. Einer war eher der analytische Vordenker, ein anderer hat akribisch genau die Details bei den Testfällen ausgearbeitet. Jeder von ihnen war an der jeweiligen Stelle, an der er eingesetzt wurde, genau richtig. Wir haben eine sehr ausgereifte technische Lösung und einen immensen Wissenstransfer erhalten und möchten die menschliche Erfahrung nicht missen.“

Stefan Pchalek | Senior Manager IT Billing Rental Fleet im Bereich der IT Business Process Solutions